Hardangervidda – Eine doch etwas chaotische Reise.

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Hardangervidda – Eine doch etwas chaotische Reise.

Wir flogen im Februar von Berlin nach Oslo. Anschließend ging es mit der Bergenbahn nach Finse, ein Schauplatz von Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück“. Unser Ziel war es den Hardangerviddagletscher in Sieben Tagen zu umrunden.

Nach der Ankunft in Finse wird schnell gepackt und dann ging es auch schon straff los. Vor uns liegen harte 400 m ebenes Terrain. Infolge der hohen Anstrengung und der nur mäßig guten Sicht, die ein solcher Morgen im Schneegestöber um vier Uhr hergab, ist ein schneller Zeltaufbau mit anschließender Verpuppung im Schlafsack geplant – und bald in die Tat umgesetzt.eis schnee norwegen norway wintertour ski pulke zelt kocher tütensuppe norden fjell fjord skandinavien fliegen oslo flugreise finse winter schneefall

Voller Elan begann der nächste Morgen. Die Temperatur lag um den Gefrierpunkt. Graupel und Regen stehen an der Tagesordnung. Unsere Ausrüstung hatte bereits den maximalen Feuchtegrad erreicht. Ein ausgewogenes Frühstück, ein drittel Salami und eine Scheibe Brot für jeden, gab bereits Ausblick auf die kulinarischen Ereignisse der kommenden Woche. Die Minibar war noch gut gefüllt. Täglich wurden die üblichen Messungen der Temperatur, Windrichtung und Sichtweiten, von ausgebildetem Fachpersonal – meinem Mitstreitern – mit großer Sorgfalt vorgenommen. Da der Regen nicht nachließ, verbrachten wir den Tag im Zelt.

Am nächsten Morgen lag die Temperatur bei -5°C. Es gab ein willkommenes warmes Frühstück in Form von Käsenudeln. Aber auch hier musste vorher noch einmal angepackt werden. Die Kochnische bedurfte dringender Verbesserung, es galt einen Tisch aus Eis zu schlagen und natürlich Wasser aus dem umliegenden Schnee zu schmelzen damit wir die Tütensuppe nicht in Form von Pulver zu uns nehmen mussten. eis schnee norwegen norway wintertour ski pulke zelt kocher tütensuppe norden fjell fjord skandinavien fliegen oslo flugreise finse winter schneefall sonnenaufgang kalt kälteNach dem Frühstück hieß es Packen und Aufbruch zum nächsten Etappenziel. Das Wetter, wie sollte es auch anders sein, belehrte uns – kaum sind wir auf dem Weg – jedoch eines Besseren. Rapide Verschlechterung. Die Sichtweite verringerte sich für kurze Zeit auf deutlich unter 20 m. Unsere Strategie: Wir hangelten uns von Stein zu Stein und hofften auf dem richtigen Weg zu sein. Die Strategie ging auf. Als der Himmel schließlich aufriss, fiel die Positionsbestimmung positiv aus. Die Ankunft an der ersehnten Nothütte war allerdings ernüchternd. Ich als Erster am Ziel, stapfte um die Hütte und versucht die Tür zu öffnen – sie rührt sich kein Stück und schien verschlossen zu sein. Meine Mitstreiter wollten dies nicht akzeptieren und lasen auf der Karte immer wieder nach. Auf der Karte stand eindeutig Notfallhütte. Wieso ist eine Notfallhütte abgeschlossen? Nach gründlicher und wiederholter Untersuchung stellte sich heraus, dass die Tür nur zugefroren war. Mit vereinten Kräften und einem starken Ruck löste sich das Eis und die Tür sprang auf. Nun stand uns das Hüttenparadies doch noch offen. Unsere kleine „Fünfsternehütte“ war gut ausgestattet. Die Tür der „Küche“ war verriegelt. Im zweiten Raum fanden wir einen Ofen mit Holz zum heizen, Mülltonne, drei Schlafplätze auf Pritschen, eine Wäscheleine sowie Garderobe und Stubentisch vor. Am Abend ging es wieder ans Kochen. Tütentrockennahrung stand auf dem Speiseplan. Als das Programm für die kommenden Tage besprochen wurde, mussten wir leider feststellen, dass wir unseren Brennstoff für den Primus-Kocher am ersten Zeltlager zurückgelassen hatten. Die Stimmung am Tiefpunkt. Großes Rätselraten trat ein. Wie sollte es weitergehen? Muss jemand zurücklaufen und das Benzin einsammeln? Gehen wir alle zurück? Kommen wir mit der übrigen Menge Brennstoff noch weit genug? Oder essen wir einfach nichts? Doch da – nach einer großen Suchaktion finden wir in der Hütte eine mit „White Spirit“ beschriftete Flasche. Zwar nur ein halber Liter, aber das sollte reichen um unseren Brennstoffvorrat mit nur wenig Notwendigkeit des Darbens, wie geplant weiterzuführen. Die Welt war wieder im Lot.

Am nächsten Morgen fand sich noch zusätzlicher Brennstoff in einem Kanister und unserem Unterfangen stand ab da nichts mehr im Wege. Nachdem die Brennstofffrage geklärt war, wurde es Zeit sich dem Ofen zu widmen und es etwas heimelicher als machen. Das führte durch den aufgefrischten und von draußen auf den Rauchabzug rückenden Wind, zu einer Räuchereskapade die den fortwährenden eis schnee norwegen norway wintertour ski pulke zelt kocher tütensuppe norden fjell fjord skandinavien fliegen oslo flugreise finse winter schneefallVerwahrlosungsprozess der einzelnen Wintertourprobanden überaus zuträglich war. Wir löschten den Ofen mit Schnee und beließen es dabei. Stattdessen wagten wir einen kleinen Ausflug auf den Hausberg.

Am nächsten Morgen lag die Temperatur um die -10 °C, kurzes Fotoshooting der Berglandschaft vor der aufgehenden Sonne, Kochen und Vorbereitungen für die nächste Etappe war auf dem Programm. Zwei Stunden nach dem Aufbruch waren wir am Ziel angekommen und bauten das Zelt und die Kochstelle wieder auf. Wieder mussten wir Schnee schmelzen für unseren Tee. Zum Abendbrot gab es zur „Abwechslung“ Essen aus der Tüte. Da die Temperaturen weiter fielen, verkrochen wir uns in die Schlafsäcke und genossen den Abend.

Am darauffolgenden Morgen schneite es wieder … im Zelt. Um die Schlafsäcke hatte sich eine dünne Eisschicht gebildet. Von der Decke tropften kleine Eiskristalle. Da ich beschloss noch eine kleine Runde vor dem Frühstück zu drehen, kroch ich aus dem Zelt. Aber so einfach wie ich mir dies vorstellte, war es nicht. Ich kam nicht mehr in meine Stiefel hinein. Die Schäfte waren gefroren und ich bemühte mich eine viertel Stunde meine Füße irgendwie da hineinzubekommen. Irgendwann schaffte ich es auch und zog etwa eine Stunde durch die schöne Berglandschaft. Nach meiner Rückkehr war das Frühstück schon von meinen Mitstreitern vorbereitet. Anschließend packten wir zusammen und zogen wieder Richtung der vor zwei Nächten bezogenen Schutzhütte. Wieder dort angekommen haben sich die Temperaturen auf -17 °C eingestellt. Endlich mal richtige Wintertourtemperaturen, dachte ich mir. Wir packten unsere Sachen in die Hütte, bekamen den Ofen in Gang und die Temperaturen stiegen in der Hütte auf +25°C. Wir trockneten unsere Sachen und begaben uns zum Kochen. Nun gab es endlich was kulinarisch hochwertiges, Tütensuppe.

Am letzten Tag bevor wir die endgültige Heimreise zum Bahnhof Finse antraten, stapften wir auf den an der Hütte gelegenen Gletscher. Mein Kumpel, der Tourenski statt Schneeschuhe mitgenommen hatte, konnte dadurch noch eine kleine Abfahrt genießen. Anschließend an der Hütte wieder angekommen, wurden die Sachen gepackt und es ging zurück nach Finse. In Finse setzten wir uns in das einzige Hotel am Platz und tranken noch das eine oder andere „echt günstige“ Bier. Zwischendrin holten wir auch noch die vergessene Benzinflasche von unserem ersten Lager und gaben diese einem Angestellten des Hotels.

Kurz bevor dann unser Zug kam, zogen wir uns im Bahnwärterhauschen für die Heimreise um und aßen die von meiner Frau mitgegebene Sachertorte und tranken den letzten Schluck des mitgebrachten Whiskys aus.

Ich denke, rückblickend war die Reise trotz des nicht erreichten Zieles ein voller Erfolg.

Bilder zur Reise gibt es hier.

2 Kommentare

  1. Hallo David,
    schön geschriebener Bericht und tolle Fotos. Ja, das Wetter schlägt schnell um da oben. Wir haben ab Finse zwei mehrtägige Skitouren gemacht und im Zelt übernachtet. Wenn es Dich interessiert, findest Du die Berichte und auch Filme dazu auf unserer Website https://www.ski-web24.de/norwegen2015/frame.htm (Hardangrrvidda in der Navi). Wir haben auch ein paar Tipps aufgeschrieben, die für Wintertouren wertvoll sein könnten. Z.B. kann man mit Plastiktüten über den Socken das Vereisen der Schuhe verhindern, aber vielleicht sind Deine ja auch von außen nass geworden. Das mit dem Brennstoff ist fatal, ohne Brennstoff kein Trinkwasser, echt blöd!
    Viel Spaß noch auf weiteren Touren.
    Bianka

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