Unter Tage – Bergwerk und Höhlen

Dunkelheit, Nässe, Kälte und ein modriger Geruch durchdringt die Luft – wir stehen unter Tage im Rothschönberger Stolln.
Der Rothschönberger Stolln befindet sich zwischen dem Brander- und Freiberger Bergbaurevier und endet an der Gemeinde Klipphausen, Ortsteil Rothschönberg. Er erstreckt sich auf stolze 50,9 km Länge und ist mit acht Lichtlöchern ausgestattet. Das Besondere an diesem Stolln ist, dass dieser nicht klein und eng gehalten wurde, sondern man bequem darin stehen kann, da die Breite ca. 2,5 m bis 3,0 m beträgt.

Wir parkten das Auto am Straßenrand, zogen uns in der Kaue Wathose und Helm an und fuhren mit Geleucht anschließend über schier unendliche Fahrten (die Leitern unter Tage) vom achten Lichtloch bis auf die Sohle des Rothschönberger Stolln hinab. Eine Fahrt hat eine ungefähre Länge von sechs Metern und so fing ich an, mitzuzählen – doch auf den ca. 100 Metern, die wir einfuhren, kann man schon mal schnell durcheinander kommen. Beim Einfahren schlug also dieses erste Projekt fehl.

Während wir das Draußen bei ca. –10 Grad verließen, schlug uns nun im Drinnen das warme Wetter entgegen, sodass man tatsächlich langsam ins Schwitzen geriet. Zwischenzeitlich dachte ich mir: „Mist, doch zu viel angezogen“, aber der Schacht sollte mich später eines Besseren belehren. Man könnte meinen, dass es unter Tage nicht regnet, aber auch das wurde mit diesem Ausflug widerlegt: nach einem Drittel der Fahrten fing es von oben an zu tröpfeln und wurde später auch stärker, sodass wir uns etwas beeilen mussten, tiefer nach unten zu kommen.DSC06789

Unten im Stolln angekommen, stand das Wasser plötzlich hüfthoch. Sofern man noch nie eine Wathose anhatte, war dies doch ein befremdliches Gefühl im Wasser. Wir stiegen ins Wasser und es kam, wie es kommen musste: meine Hose hatte ein Loch und der rechte Stiefel füllte sich allmählich mit Wasser. Wir gingen schnell mehrere 100 Meter weiter, wobei das Wasser abflachte und ich mit nassen Socken noch einmal Heil davonkam.

Wir befanden uns nun recht nah am Schacht und mein Begleiter zeigte mir zusammengebrochene Stollenabschnitte, die durch die Flutereignisse stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, alte Tafeln und das Schönste überhaupt: blaue Mineralisation. Die blauen Minerale bildeten sich durch die über Tage liegenden Halden von der Verhüttung. Diese formten über die Jahre Sekundärminerale aus.

Ziel war es nun, ein paar schöne Fotos von diesem Ausflug mitzunehmen und so probierten wir diverse Techniken aus: erst blitzten wir in die Gänge hinein, dann mit Zeitversetzung, doch so richtig funktionierte dies nicht. Leider mussten wir unter diesen Bedingungen feststellen, dass einer der Blitze defekt war und generalüberholt werden musste. Naja, man lernt stets aus seinen Fehlern! Als nächstes probierten wir die Langzeitbelichtung aus, mit welcher uns die besten Ergebnisse gelangen. Wir stellten die Kameras auf ein Stativ, belichteten ca. zwei Minuten und wedelten den Stolln gleichmäßig aus. Schwierigkeiten gab es hierbei, da unsere Taschenlampen kein richtiges Streulicht besaßen und daher durch zu langes Verharren auf einem Punkt helle Flecken und Lichtstreifen im Bild produzierten. Wir lösten dies durch ein schnelleres hin- und herwedeln. Wir verbrachten etwa zwei bis drei Stunden unter Tage und fuhren nach getaner Arbeit wieder aus. Leider war es mir auch hier nicht gelungen, die einzelnen Fahrten zu zählen.

Einen rechtlichen Hinweis möchte ich Euch dabei noch geben. Die spontane Befahrung von Altbergbauanlagen ist nicht legal, da diese dem Berggesetz unterliegen. Sofern Ihr irgendwo einfahren möchtet, sucht Euch einen Verantwortlichen, der Euch eine Erlaubnis dazu erteilt (hier das Oberbergamt) oder sucht Euch Gruppen oder Vereine, die Führungen dazu anbieten. Wir waren dienstlich unter Tage und nutzten die Gelegenheit, um ein paar spektakuläre Fotos zu machen.

Für Höhlenbesuche gebe ich Euch noch den Hinweis, dass diese zwar befahren werden können, jedoch meist in Naturschutzgebieten liegen und dort wiederum ebenso Verbot herrscht. Bis dato (2019) ist es auf deutscher Seite erlaubt, die Höhlen beispielsweise im Elbtal zu befahren. Die Höhlen in den angrenzenden Gebieten um Hřensko (Tschechien) jedoch nicht.DSC06782
Empfohlenes  Equipment für die Fotografie unter Tage und in Höhlen:

  • Wathose
  • Helm
  • Stirnlampe und am besten noch Zweitlampe + zusätzliche Batterien
  • Taschenlampe mit großer Streubreite und Lichtkraft
  • Blitz und Funkauslöser
  • Kamera und Stativ, wahlweise mehrere Stative für die Blitze

So – nun wünsche ich Euch viel Freude beim Ausprobieren und Einfahren unter Tage und vielleicht gibt es jemanden, dem es gelingt, die Fahrten vom achten Lichtloch bis auf die Sohle des Rothschönberger Stolln zu zählen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.