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Tipps für die Produktfotografie – Die Kunst des Spielens

Warum eigentlich die Kunst des Spielens? Ich finde, die Produktfotografie gehört zu den vielseitigsten und mit Abstand unterschätztesten Genres der Fotografie – kaum ein Genre hat so viele Facetten. Die Kunst des Spielens leite ich aus dem „rumspielen“ und basteln, in Szene setzen von Produkten und Gegenständen ab. streichholz001 (2)Der größte Abnehmer in diesem Bereich sind Firmen, die Werbung schalten. Meist schmücken große Werbetafeln mit dem „neuesten Schokoriegel“ oder dem „wohlduftesten Parfüm“ die Wände von Einkaufszentren, Bahnhöfen und Galerien. Was wäre Werbung ohne die Produktfotografie? Genau – tröge und langweilig.

Doch wie kommen wir von dem einfachen Foto, z.B. dem Ablichten einer Flasche alkoholischen Getränks, zum Produktfoto? Es ist die Idee, die dahinter steckt. Mit diesem Beitrag möchte ich euch ein paar Tipps geben, um euer Produkt besser zu gestalten.

Tipp 1 – Gut Ding will Weile haben.

Man kann nicht ohne Weiteres umhergehen und sagen, ich bin Produktfotograf. Ihr müsst Eure Kamera beherrschen und wissen, was ihr tut. Wichtig ist das Fotografieren im manuellen Modus, um die volle Kontrolle über die Gestaltung Eures Bildes zu haben. Neben diesem Punkt ist die Zeit, die Ihr aufwendet und auch benötigt eines der wichtigsten Elemente zum perfekten Bild. Zuerst benötigt Ihr also Zeit für die Vorbereitung. Schnappt Euch einen Zettel und Stift, versucht Eure Szene zu skizzieren und notiert die Dinge, die ihr für Euer Foto benötigt. Setzt Euch damit auseinander, was Ihr fotografieren wollt. Sucht Euch Dinge zusammen, die Ihr für die Ausgestaltung Eures Bildes benötigt. Erstellt die Szene um Euer Produkt. Erst dann könnt Ihr zu experimentieren beginnen und Euer erstes Foto zu schießen.

Tipp 2 – Licht und Schatten

Um ein Produkt richtig in Szene zu setzen, benötigt Ihr Licht. Wichtig ist dabei die Anordnung des Lichtes zum Produkt und der Kamera. Spielt mit dem Licht und versucht unterschiedliche Schattenschläge auf dem Untergrund oder Eurem Hintergrund zu erzeugen. Die einfachste Methode ist, das Licht seitlich auf ein Produkt zu werfen. gabel (3)Dabei erzeugt es auf der gegenüberliegenden Seite ein Schlagschatten. Achtet besonders bei Glas darauf, dass das Licht nicht direkt auf das Glas scheint, um unerwünschte Reflexionen zu vermeiden. Haltet einfach einen Diffusor, wie ein weißes Blatt oder Butterbrotpapier dazwischen. Passt jedoch bei Pergamentersatz auf, dass es vorher nicht geknickt wurde, damit keine Lichtkanten bzw. -streifen auf dem Fotoobjekt entstehen.

Tipp 3 – Gestaltet euren Hintergrund

Man kann den Hintergrund auf verschiedene Art und Weise ausgestalten. Wichtig hierbei ist, dass der Hintergrund sich vom Objekt, welches Ihr fotografieren wollt, abhebt. Ich zeige Euch verschiedene Möglichkeiten auf, wie Ihr den Hintergrund am besten gestaltet:

Übung 1: Arbeiten mit Bokeh.  Nutzt die Unschärfe durch Eure Offenblende. Informiert Euch vor dem Arbeiten mit der Offenblende, welche Objektive ein gutes Bokeh ausüben. Nun zur Übung: Nehmt z.B. einen bunten Hintergrund und hängt eine Lichterkette davor. Durch den Bokeh-Effekt entstehen nun viele leuchtende Punkte, welche den Hintergrund äußerst interessant gestalten.

Übung 2: Ausleuchten / Ausblitzen. Nehmt einen weißen Hintergrund und blitzt auf diesen. Einerseits wird das Objekt dadurch von hinten durchleuchtet (bei transparenten Objekten), andererseits bekommt Ihr eine schöne, cleane Freistellung Eures Objektes.

Übung 3: Beamer / Dia- Projektor. Nehmt einen weißen Hintergrund und sucht Euch bspw. aus dem Internet oder aus dem privaten Archiv interessante Muster. Projiziert das Muster auf den Hintergrund.

 Tipp 4 – Hilfsmittel

Ein Produkt allein ist meist langweilig. Versucht in Eurem Bild eine kleine Geschichte zu erzählen. Der Bildklassiker und immer wieder gern gezeigt, ist die Obstschale oder das geschnittene Brot. Die Obstschale allein macht nicht viel her – doch baut man um die Obstschale noch Besteck, Geschirrtuch oder dergleichen ist bereits eine „Geschichte“ erzählt. Das Gleiche gilt für das Brot. Nehmt ein Brot, schneidet ein paar Scheiben ab, lasst beispielsweise die Krümel liegen und legt ein schickes Brotmesser daneben.

Tipp 5 – Stativ

Generell empfehle ich bei der Produktfotografie ein Stativ. Hiermit könnt Ihr Euren Bildausschnitt wählen und den Schärfepunkt genau dahin setzen, wo Ihr ihn haben wollt. Kleiner Trick am Rande: nutzt die Kantenanhebungsstufe (Fokuspeaking), sofern Eure Kamera diese besitzt.

Tipp 6 – Langzeitbelichtung, Umgebungslicht

Für Bilder jedweder Art ist es oft ratsam, allein das Tageslicht und keine künstliche Lichtquelle zu nutzen. Ihr könnt Euer Produkt beispielsweise auf die Gartenbank legen, etwas mit der Unschärfe spielen und so ein interessantes Bild erzeugen. Oftmals umgeht man damit ungewollte Spiegelungen auf polierten oder glatten Oberflächen.

Tipp 7 – Andersfarbiges Licht

Das ist wohl eher ein Quicktipp, aber dennoch nicht weniger wichtig. Wenn Ihr künstliches Licht nutzt, dann nutzt Farbvorsätze. Diese gibt es auch für Blitze zum Aufstecken.

Tipp 8 – Nachbearbeitung

Für Veröffentlichungen jeder Art kommt man um das Nachbearbeiten eines Fotos nicht herum. Lernt, wie man mit Bildbearbeitungssoftware umgeht und diese sinnvoll einsetzt. Achtung: nicht zu viel bearbeiten!

Tipp 9 – RAW oder JPEG

Diese Frage muss sich letztendlich jeder selbst stellen. Soll es schnell gehen, dann nimmt man am besten JPEG. Will man das volle Potential aus dem Foto herauskitzeln, dann ist RAW die richtige Wahl.

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